Hexenverbrennung

Man könnte meinen, so etwas wie Hexenverbrennung gibt es heutzutage nicht mehr. Falsch gedacht!

Der Brauch

Fährt man Anfang eines Jahres in den Süden von Deutschland, wird man dort in ländlichen Gegenden Veranstaltungen finden, die sehr stark an die Zeit der Hexenverbrennungen erinnern. Das Ganze nennt sich heute Funkenfeuer. Der Brauch sieht so aus, dass nach Weihnachten alte Weihnachtsbäume auf den Dörfern eingesammelt werden. Diese werden dann zu einem Turm aufgebaut, und ganz oben drauf, da hängt man eine Hexe auf. Keinen echten Menschen, sondern eine Puppe. Die Symbolik ist allerdings ziemlich eindeutig, auch wenn zu lesen ist, dass dieser Brauch angeblich nichts mit den damaligen Hexenverbrennungen im Namen der Kirche zu tun hätte.
Funkenfeuer in Donaustetten bei Ulm
Gemacht wird das, laut den Menschen, die daran teilnehmen, um den Winter auszutreiben. Eine Interpretation liegt nahe, den Zusammenhang darin zu sehen, dass man ganz ganz früher den vermeintlichen Hexen zugesprochen hat, mit Hilfe von dunkler Magie Naturphänomene hervorzubringen, wie Gewitter, Stürme oder auch den Winter. Verbrennt man die Hexe, um den Fluch aufzuheben, wird alles wieder gut. So ganz grob sah das die christliche Kirche in der Vergangenheit auch und hat mit päpstlichen Regelungen und Massen-Manipulationen durch solche Geschichten eine Hetzjagd auf Frauen verursacht. Wer Böses denkt, möchte hier meinen, dass es dabei hauptsächlich darum ging, sich gegen die Katharer durchzusetzen, die einen leicht anderen religiösen Glauben hatten. Die Kirche wollte vermutlich ihren Einfluss auf die Menschen erhöhen. Was wohl gelungen ist, auch wenn das Ganze ohne den noch nicht erfundenen Buchdruck und anderen Medien Jahrhunderte dauerte. Dazu aber später mehr.

Bei so einem Funkenfeuer versammelt sich also die Dorfgemeinschaft um das riesen Feuer anzuschauen. Für Kinder eine tolle Veranstaltung. Die Geschichte des Brauches ist dabei den Anwesenden egal und an das katastrophale Ausmaß der Hexenverbrennungen denkt dabei so ziemlich niemand, an das die Symbolik doch eigentlich so eindeutig erinnert. Wenn die Hexe endlich Feuer fängt, geht ein Raunen durch die Zuschauerreihen. Zu dem riesen Feuer, dessen Anblick wohl bei jedem einen kleinen Adrenalinschub verursacht, isst man gewöhnlich gegrillte Würstchen, trinkt einen Glühwein oder ein Bier. Es ist ein Fest. Vermutlich ein ähnliches Spektakel, wie es das früher wohl auch war. Nur weniger grausam.

Zusammenfassung der Geschichte der Hexenverbrennung im europäischen Raum

Gehen wir mal ganz weit zurück. Sogar noch vor das 10. Jahrhundert. Die christliche Kirche wollte ihren Einfluss erweitern, und sah sich in starker Konkurrenz zu den unterschiedlichsten Volksglauben. Der erste Schritt der Kirche war, alle Volks-Gottheiten und Schutzgeister als dämonische Gestalten zu deklarieren, und alle Rituale und Praktiken, die mit ihnen in Verbindung gesehen werden konnten waren demnach falsch. Dieses Verbot hatte nicht allzu viel Wirkung. Das scherte die Leute nicht. Wer gibt schon Praktiken auf, von denen man annimmt, dass sie Krankheiten heilen können, nur weil jemand daher kommt und sagt: hey, das ist falsch, was Du da tust.
Zu der Zeit entwickelte die Kirche bereits verschiedene Exorzismen gegen Flüche, von denen man heutzutage noch so viel in Horror Filmen hört. Man merkt hier, dass selbst die Kirche fest daran glaubte, dass die unterschiedlichen Volkspraktiken tatsächlich Wirkung zeigten, und dass Dämonen existierten.
Später allerdings, nach dem 10. Jhdt, änderte sich das. Allein der Glaube an die nicht-kirchlichen Götter und Praktiken wurde strafbar. Die Prediger der Kirche hatten zur Aufgabe, ihren Zuhörern beizubringen, dass magische Kräfte nicht existierten, und dass sie keine Wirkung zeigen würden. Dämonen würden die Menschen beeinflussen, und ihnen solche Dinge vorgaukeln.

Kurzer Exkurs: Wenn man das mal so annimmt, könnte man fast vermuten, dass hier eventuell der Ursprung darin liegt, warum die europäische alternative Medizin so weit hinter der asiatischen alternativen Medizin zurück liegt. Warum in Europa viele Menschen immer noch daran festhalten, dass Homöopathie oder andere nicht medizinische Praktiken blödsinnig seien, wohingegen das in anderen Teilen der Welt ganz anders gesehen wird. Wir erfahren heutzutage bei vielen Europäern eine Öffnung hin zur alternativen Medizin, was vielleicht mit dem Kontrollverlust und Mitgliederschwund der katholischen Kirche zu tun haben könnte. Eine gewagte These der man durchaus mal nachgehen könnte.

Die Kirche hatte weiterhin Schwierigkeiten ihren Einfluss zu verbreiten und zu installieren. Die Leute wollten nicht aufhören, ihre gewohnten Praktiken durchzuführen. Also änderte sich die Einstellung der Kirche erneut. Ab dem 13. Jhdt. wurde behauptet, dass Menschen, die dunkle magische Praktiken anwenden, Gehilfen der Dämonen wären, oder gar Gehilfen des Teufels. Es wurde Angst vor den Menschen geschürt, die diesen Volkspraktiken nachgingen, da diese nur darauf aus wären, der gesamten Gemeinschaft zu schaden. Es wurden Gebete verbreitet, die vor diesen Praktiken schützen sollten. Man könnte sagen, die Lage spitzte sich ein wenig zu.

Die Katharer waren der Kirche ein großer Dorn im Auge. Deren Glaube war weit verbreitet. Das Wort "Ketzer" leitet sich von Katharer ab, und wurde verwendet um Ungläubige allgemein zu bezeichnen. Bereits während des 12. Jhdts. wurden die Strafen für Ketzer drastischer. Sie wegen Gottesbeleidigung mit dem Tod durch Feuer zu bestrafen wurde die Regel. Die Kirche streckte ihre Hand nach den Fürsten und Herrschern in Europa aus, um deren Mithilfe gegen die Ketzer zu erwirken. Bereits 1215 erließ Friedrich II ein Gesetz, dass Menschen dazu aufforderte, Ketzer zu melden. Inquisitionsverfahren wurden durch den Papst installiert und Franziskaner und Dominikaner damit beauftragt, Ketzer zu verfolgen. Man vermischte nun die Verbrechen. Ketzern wurde allgemein angedichtet, dunkle Magie zu verwenden. So wurden die Inquisitionsverfahren mit der Zeit die stärkste Waffe in der Hexenverfolgung.
Papst Clemens IV erlaubte Folter in den Verfahren, um Geständnisse zu erwirken. Durch die angewandte Folter ähnelten sich die Aussagen der Angeklagten natürlich, denn sie bestätigten, was gehört werden wollte. Das führte wiederum dazu, dass die Richtigkeit dieser unter Folter gemachten Aussagen als bestätigt angesehen wurde. Die Angst vor dem Teufel und vor Dämonen fand so weiter Verbreitung in der Bevölkerung.

Feuer
Anfang des 14 Jhdts. gab es dann den offiziellen Erlass von Papst Johannes XXII, dass alle Hexen genau wie Ketzer behandelt werden sollten. Damit waren die Weichen für die Hexenverbrennungen komplett gestellt. Bestraft werden konnten nun nicht mehr nur jene, die sich dunkler Magie bedienten, sondern alle Anwender von Volksmagie. Zwischen 1320 und 1350 wurden 600 Menschen in Toulouse und Carcasonne der Zauberei und Hexerei beschuldigt und verbrannt.

Mitte des 15 Jhdts kamen Gerüchte einer großen Hexenverschwörung auf. Eine riesen Hexengemeinschaft, die sich angeblich schon seit dem 14 Jhdt rasant ausbreitete. Das unendliche Heil war bedroht, und die Welt schien von Sekunde zu Sekunde sündiger zu werden. Das Ende der Welt war nahe und nun musste entschieden dagegen angegangen werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man nicht von einer Massenverfolgung von Hexen sprechen. Aber nun bekam das Ganze weitaus mehr Dramatik. Viele Theologen waren von der Gefahr überzeugt, die Realität von Frauen, die auf Besen durch die Lüfte ritten galt als bewiesen. Der Teufel war auf dem Vormarsch. Thomas von Aquin formte die Begriffe "Incubus" (männliche Dämonen, die Frauen befielen) und "Succubus" (weibliche Dämonen, die Männer befielen). Die Dämonologie legte dar, dass weitaus mehr Frauen von Dämonen ergriffen wurden als Männer, da diese als geistig schwach angesehen wurden, und sie so ein leichteres Ziel für die Dämonen waren. Mit Dämonen kam man durch magische und spirituelle Volkspraktiken in Kontakt. Es war egal, ob diese Praktiken dunkler oder weißer Magie zugesprochen wurden. Alles Magische war ja dämonisch.

Trotz den Versuchen der Angst-Verbreitung hatten die Inquisitoren Schwierigkeiten und stießen in ihrem Verfolgungswahn auf Widerstand aus der Bevölkerung. Zu Hilfe kam ihnen Papst Innozenz VIII. Das ganze ging weiterhin eher schleppend vor sich, bis 1487 das berühmte Buch "der Hexenhammer" erschien. Geschrieben von Heinrich Cramer (Institoris). Es war für Theologen und Juristen geschrieben und bestand aus 3 Teilen. Teil 1 erklärte anhand von Bibelstellen und anderen Zitaten die Existenz dämonischer Hexen. Teil 2 legte dar, wie der Teufel und seine Gehilfinnen taten, was sie taten, und welche Exorzismen für welche Situationen verwendet werden konnten. Der dritte Teil war dann eine Anleitung für Hexenprozesse. Er gab Information zur Folter, mögliche Urteile und erklärte notwendige Schutzmaßnahmen. Eine davon war bspw., Hexen in aufgehängten Käfigen gefangen zu halten, da ihre Macht stärker wäre, wenn sie in Kontakt mit dem Boden wären. Das Buch wurde von der Kirche autorisiert. Bis zum Jahre 1669 gab es 24 Auflagen dieses Buches.

Mit dem Buch war der Fokus auf Frauen als Hexen gelegt. Hexen waren nicht nur "Ketzer", sondern allgemeine Übeltäter. Daher gab es für sie eine doppelte Zuständigkeit, eine Möglichkeit zur doppelten Verurteilung. Erst durch die Inquisitionsverfahren, und dann durch normale weltliche Gerichte. Zur Zeit der protestantischen Reformation fiel die Zuständigkeit eher den weltlichen Gerichten zu, da die geistige Elite nun mit anderen Dingen beschäftigt war. Die Theologen taten allerdings alles daran, den Fürsten und Herrschern klar zu machen, dass sie mit der Hexenverfolgung auf einer göttlichen Mission waren. Außerdem war es doch ihre Verantwortung die Bevölkerung vor den Dämonen und dem Teufel zu schützen.

Anfang des 17. Jhdts nahm man an, dass es ca 1.800.000 Hexen in Europa gab. Die Angst vor dem Teufel bestimmte das Leben Vieler. Sogar Dämonologen konnten mit der schieren Anzahl auftauchender Dämonen kaum Schritt halten und kamen desöfteren durcheinander. Sogar Martin Luther war überzeugt, dass der Teufel tatsächlich von Menschen Besitz ergreifen konnte und befürwortete die Hexenverbrennungen um den Einfluss des Teufels auf Erden zu schmälern.

Prediger in ländlicheren Gegenden, in denen die Menschen ihren Glauben an dunkle und weiße Magie und deren Praktiken behalten hatten, hatten nun die Aufgabe, diesen elaborierten Glauben an Dämonen und den Teufel in der Bevölkerung zu verbreiten und durchzusetzen. Die Leute dort hatten allerdings oft mehr Angst vor der dunklen Magie an sich als vor dem Teufel. Schlecht erging es den Heilerinnen und weisen Frauen allerdings dennoch. Wenn vermutet wurde, dass sie dunkle Magie angewandt hätten, wenn etwas nicht wie gewünscht lief, oder wenn man sie einfach nur los werden wollte, bezichtigte man sie einfach eine Hexe zu sein.

Das so oft hoch stilisierte Mittelalter war eine Zeit der Angst. Im 16. und 17. Jhdt. wuchs die Angst vor dem Teufel und war immens, und somit stieg auch die Bereitwilligkeit in der Bevölkerung, Frauen, die anders als gewünscht aussahen, oder sich irgendwie anders als erwünscht verhielten, als Hexen zu melden. Verstärkt wurde das weiterhin, durch andauernde Aufforderungen, dabei behilflich zu sein, das Land von der dämonischen Macht zu befreien. Die Meldung Verdächtiger wurde zur Staats- und Christenpflicht. Bedrohung ging von allem aus. Agrarrückgang, Unwetter, Krankheiten, Kriege, die Pest - oder nur ein Sturz von einer Leiter. Für alles wurde Satan und Hexen verantwortlich gemacht. Die dörfliche Gerüchteküche wurde zum Verhängnis für viele Frauen. Nicht nur für die Frauen, sondern auch für ihre Kinder. Man nahm an, dass sie als Hexe geboren seien, und dass sich die Mächte vererbt hätten. Wurde die Mutter verbrannt, hatten die Kinder nichts mehr zu Lachen, wenn sie nicht sowieso gleich mit verbrannt wurden.
Freunde und Nachbarn wandten sich sofort von einem ab, wenn man einmal der Hexerei verdächtigt wurde, um ja den Verdacht auszuräumen, man hätte etwas damit zu tun. Alte verwitwete Frauen wurden teilweise allein wegen ihres Aussehens angeklagt. Volksmediziner, die zuvor um Hilfe gebeten wurden, wenn es einen Krankheitsfall gab, standen allgemein im Verdacht der Hexerei. Trauer nach einer Hinrichtung einer Hexe konnte bereits als Beweis angeführt werden, dass man eine Hexe sei.

In so einer Dorfgemeinschaft wurden Personen, denen nachgesagt wurde, dass sie einen Fluch ausgesprochen hätten, üblicherweise zuerst bedroht oder verprügelt, mit dem Ziel, dass der Fluch zurück genommen wird. Wenn man sich nicht sicher war, wer genau für den Fluch verantwortlich sei, konnte man zu einem Hexenbanner gehen, der anhand von Reaktionen entschied, wer in Frage kommt. Die Beschuldigten wurden aufgefordert, "sich baden" zu lassen. Es wurde gesagt, dass Hexen sehr leicht wären, und dass Wasser ein Hexenwesen abstoßen würde. Hexen gingen also nicht unter.
Wurde eine Wasserprobe überlebt und bestanden, konnte das vor Gericht als Beweis für die Unschuld verwendet werden. Wenn es dumm lief, wurde das allerdings so ausgelegt, dass bei der Wasserprobe dämonische Kräfte gewirkt hätten. Es war fast unmöglich, sich richtig zu verhalten, wenn man einmal unter dem Verdacht stand, eine Hexe zu sein. Nicht jedes Gerücht führte zu einem Verfahren, es brauchte schon eine Summe von Verdachtsmomenten, um eine Verhandlung statt finden zu lassen. Solche Verdachtsmomente waren bspw. die Kenntnis und die Ausübung von Zaubersprüchen, Heil- und Segenssprüchen, schädigende Zaubereien, mit einer verurteilten Hexe verkehrt zu haben, ein auffälliges Verhalten an den Tag zu legen, ein Verhalten zu ändern, etc.

Das ist alles haarsträubend und zeigt allerdings sehr gut auf, wie leicht Angst es schafft, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen, Misstrauen zu verbreiten und Konflikte zu schüren. Nicht um sonst ist "Angst verbreiten" ein beliebtes Mittel von Mächtigen, ihren Machtausbau weiter voran zu treiben. Damals genau wie heute. Und je unaufgeklärter und ungebildeter die Menschen sind, desto mehr Erfolg werden sie haben.

Ende des 16 Jhdts. wurde die sogenannte "Nadelprobe" entwickelt. Es war eine Theorie entstanden, dass der Teufel einer neuen Hexe ein Mal verabreichte. Narben, Kratzer, Muttermale oder Warzen waren verdächtig. Man nahm also eine lange Nadel, und stach hinein. Floß kein Blut, und zeigten die vermeintlichen Hexen kein Schmerzempfinden, galt das als klares Indiz der Hexerei. Ein weiteres Indiz für die Hexerei war es, wenn jemand trotz Schmerzen keine Tränen in den Augen hatte.

Gab es genügend Verdachtsmomente oder Indizien für einen Prozess, wurden die Beschuldigten inhaftiert. Wenn sie sich nicht zuvor selbst umbrachten, wurden sie in Verliese gesperrt. Die Kerker befanden sich im Turm einer Burg, eines Klosters, Schlosses, oder einer Stadtmauer. Diese häufig als Hexentürme bezeichneten Verliese wirkten allein schon gesundheitsschädigend, da sie teilweise kein einziges Fenster besaßen und daher stockfinster waren, zudem feucht, kalt und schmutzig. Auch unterirdische Löcher benutzte man als Gefängnisse, in denen es sicher vor Ungeziefer und Ratten wimmelte. Erschütternde zeitgenössische Berichte sprechen von erfrorenen Gliedmaßen, von Körpern, die von Ratten und Mardern angefressen waren, von Hunger, Schlaflosigkeit und immerwährender Angst. Schutzlos sahen sich die Gefangenen zudem manch einem sadistischen Wärter ausgesetzt, der für zusätzliche Qualen und sexuelle Übergriffe sorgte. (Agnes Hallinger, "Die Hex' muß brennen! - Volksglaube und Glaubenseifer des Mittelalters", S. 140)

Für einen Schuldspruch brauchte man mindestens 2 Augenzeugen Aussagen, oder ein Geständnis. Augenzeugen bei Hexerei gab es so gut wie keine, denn jeder Augenzeuge hätte sofort einen Verdacht der Hexerei auch auf sich selbst gelenkt. Daher mussten Geständnisse erwirkt werden, was fast immer mit Hilfe von Folter versucht wurde. Man erpresste unter Folter nicht nur Geständnisse, sondern auch die Namen von Komplizen. Somit zog ein Prozess meist mehrere weitere Prozesse nach sich. So eine Prozesskette brach ab, wenn nur noch Männer oder Personen aus der gesellschaftlichen Oberschicht beschuldigt wurden, die sich meist durch einen guten Leumund einer Verurteilung entziehen konnten. Dennoch gab es auch hier Beispiele. Hexenbrände waren durchaus ein Mittel, sich eines politischen Gegners zu entledigen.

Es gab durchaus Regeln für die Anwendung von Folter. Da das Delikt der Hexerei allerdings als Ausnahmeverbrechen angesehen wurde, reichten einige Verdachtsmomente bereits aus, um Folter zu rechtfertigen. Genannt wurde das Folterverfahren "peinliche Befragung", deren Anfang meist das Anlegen von Daumenschrauben und Beinschrauben machte. Viele Menschen überlebten die Torturen der Folter nicht. Falls doch, trugen sie dauerhafte Schäden davon.

Nach einem Schuldspruch folgte der Weg zur Richtstätte, auf dem die Hexen für die sensationslüsterne Menge nicht selten weiter gepeinigt wurden. An der Richtstätte angekommen, wurde üblicherweise das Urteil öffentlich verlesen. Die Verurteilten hatten nunmehr reine Statistenrollen, allerdings konnte es hier auch zu Unruhen kommen, wenn sie bspw. das Urteil kommentierten, lauthals schrieen, oder noch weitere Leute denunzierten. Es folgte eine Predigt für die Menge, und die feierliche Überweisung an den Henker.
Mit Ausnahme Englands und Skandinaviens galt die Feuerstrafe als allgemein üblich für das Verbrechen der Ketzerei und Hexerei, und wurde durch die Bibel gerechtfertigt. "Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen" (Bibelspruch übernommen aus: "Die Hex' muß brennen! - Volksglaube und Glaubenseifer des Mittelalters", S. 166).
In England und Skandinavien wurden Hexen nicht wegen religiöser Taten verurteilt, sondern wegen ihrer tatsächlichen Vergehen, bspw. Mord durch Gift. Dadurch erklärt sich die unterschiedliche Todesstrafe.

Für die Gelehrten der damaligen Zeit war es seltsamerweise kein Widerspruch, dass der Teufel zu so vielem fähig war, er allerdings seine Verbündeten dem Feuer überließ. Allerdings gab es schon Gerüchte in der Bevölkerung, dass im letzten Augenblick der Teufel den Todes Geweihten zu Hilfe eilte, und sie aus dem Feuer zog.

Die Unkosten für die Verurteilung und Strafvollstreckung wurden meistens mit dem Besitz der Familie gedeckt. Genügte das nicht, musste die Gemeinde den Rest beisteuern.
Viele Menschen verdienten ihr Geld mit den Hexenverfolgungen damals. Es gab bspw. General Hexenfinder, die durch die Lande ritten, um Hexen aufzuspüren. Matthew Hopkins ging dieser Tätigkeit ab 1645 nach, und erhielt 20 Schilling für eine von ihm identifizierte Hexe. Innerhalb von 14 Monaten starben hunderte von Menschen durch seine Denunziationen.

Die europäischen Hexenverfolgungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit kosteten geschätzt rund 60.000 Menschen das Leben, bei ca 110.000 Hexenprozessen. Allein in Deutschland fanden 25.000 Hinrichtungen davon statt.

Feuer

...und die Moral von der Geschicht'

...ich sage nicht, hört mit dem Funkenfeuer auf, aber bedient Euch doch vielleicht nicht dieser Symbolik und laßt einfach die Hexe weg.

Ok, im Ernst... ich finde, das was die katholische Kirche damals gemacht hat, und wofür sie Jahrhunderte brauchte, sehr exemplarisch für viele Dinge, die auch in unserer Zeit so passieren, allerdings dank Medien weitaus schneller. Es wird immer wieder von Mächtigen oder denen, die es sein wollen, Angst verbreitet. Die damalige Unwissenheit vieler Menschen ist vielleicht vergleichbar mit der totalen Überforderung Vieler aufgrund der Informationsfülle heutzutage. Nicht umsonst jubeln die Menschen einem Donald Trump zu, der ihnen eine Verbesserung ihres Lebens verspricht, und ihnen einen vermeintlichen Grund für ihr "Leid" zur Verfügung stellt, indem er rassistische Statements ablässt. Aufklärung und Bildung sind die Wege dazu, solchen Manipulationsversuchen zu widerstehen. Wann immer jemand anderes für das eigene Leid als verantwortlich präsentiert wird, sollte man hellhörig werden. Es ist einfach, immer die Verantwortung und Schuld von sich auf andere zu übertragen, aber weiterkommen wird man so letztendlich nicht.

Was solchen Hasspredigten immer gemein ist, ist, dass Menschen, die als Feindbild dargestellt werden sollen, Eigenschaften zugeschrieben werden, die nicht wahr sind, sondern nur auf Vorurteilen basieren. Vorurteile und Verallgemeinerungen sind ein beliebte Werkzeuge solcher Meinungsmacher. Desweiteren, wie erwähnt, eine Zuschreibung von Verantwortung auf Personen, die als Feindbild etabliert werden sollen, die Verbreitung von Angst durch heraufbeschworene mögliche Katastrophen, die natürlich durch das Feindbild verursacht oder verstärkt werden, eine einfache und sehr verkürzte Logik, das behaupten von falschen Tatsachen oder das Verdrehen von Tatsachen, ein nicht bereit sein zur Diskussion, etc.

Was hilft? Eigentlich nur Aufklärung! Damit wäre der Bogen zu Kant wieder hergestellt. Aufklärung, und die Bereitschaft, Dinge nicht einfach zu glauben die jemand behauptet, sondern selbst aktiv zu werden und Antworten auf Fragen recherchieren. Wir haben heute mehr denn je die Möglichkeit dazu. Immer weiter hinterfragen, und das Interesse nicht verlieren.

Einen Kommentar zur Folter möchte ich hier auch noch anfügen. Schon damals, im 16. und 17. Jhdt. gab es Kritiker, was die Hexenprozesse anbelangt. Vor allem waren sich viele Menschen nicht sicher, dass Geständnisse, die durch Folter erzwungen wurden, wahr sind. Wenn ich nun wieder in die USA schaue, nicht nur, aber dort auch, muß ich sagen, so viel haben die Menschen aus der Vergangenheit nicht gelernt... Folter ist selbst heutzutage noch weit verbreitet.

Immer wieder werden Hexenjagden von Menschen veranstaltet, lediglich die Definition was "die Hexe" ist, variiert in der jeweiligen Situation. Wir sollten uns alle die Vergangenheit vor Augen halten. Wir könnten so viel aus der Geschichte lernen. Die Hexenverbrennungen sind nur ein kleines Beispiel.

Quellen

--
Uta Kaemper (03.04.2016)

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