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Kant's Leben


Es ist ganz interessant, sich Kant's Leben und seinen Lebensstil einmal vor Augen zu führen, da das Hintergrund zu den Theorien von Kant liefert. Ob man will oder nicht, jeder wird von seinen Erfahrungen geprägt, da kann kein Mensch sich völlig entziehen, ebensowenig ein Immanuel Kant, auch wenn er auf der Suche nach allgemein gültigen Gesetzen war. Ein Mensch ist nie völlig objektiv, das liegt nicht im Vermögen von Menschen - egal, wie man es versucht. Zuviel Unbewußtes spielt in jede Entscheidung rein. Man kann sich nur bemühen, so objektiv wie möglich zu sein. Jegliche "Bewertung" allerdings ist höchst subjektiv.



grober Lebenslauf

Kant's Alltag

Der Alltag war jetzt nicht sonderlich aufregend, und verlief immer gleich. Störungen seines Alltags mochte Kant nicht. Hier folgt also im groben Kant's Tagesablauf:


Kant und die Frauen / die anderen


Gleich ziemlich zu Beginn meiner Auseinandersetzung mit Kant bin ich über sein - für mich doch etwas seltsames - Frauenbild gestoßen. Ich glaube, viel Intellekt traut er ihnen nicht zu. Fraglich ist allerdings, ob das seine persönliche Ansicht ist, oder nur ein Versuch der Erklärung, warum der Mann über die Frau "herrsche", eine Annahme, die damals ja noch recht weit verbreitet war. Ich möchte hier aus Kant direkt zitieren, entnommen aus "Kant zum Vergnügen", Herausgeber: Volker Gerhardt, Verlag: Philipp Reclam jun. GmbH & Co.KG, Stuttgart, 2003.

"...Die Tugend des Frauenzimmers ist eine schöne Tugend. Die des männlichen Geschlechts soll eine edle Tugend sein. Sie werden das Böse vermeiden, nicht weil es unrecht sondern weil es hässlich ist, und tugendhafte Handlungen bedeuten bei ihnen solche, die sittlich schön sein. Nichts von Sollen, nichts von Müssen, nichts von Schuldigkeit. Das Frauenzimmer ist aller Befehle und alles mürrischen Zwanges unleidlich. Sie tun etwas nur darum, weil es ihnen so beliebt, und die Kunst besteht darin, zu machen, dass ihnen nur dasjenige beliebe was gut ist. Ich glaube schwerlich, dass das schöne Geschlecht der Grundsätze fähig sei, und ich hoffe dadurch nicht zu beleidigen, denn diese sind auch äußerst selten beim männlichen."

Ok, auch von den meisten Männern hielt er nicht allzu viel in Bezug auf den Intellekt, aber dennoch sieht er die Frau nicht in der Verantwortung, und das stört mich. -> Achtung, eigene Interpretation:
Kant setzt ja voraus, dass man Entscheidungen nur dann rein aus der Vernunft heraus treffen kann - also moralisch wirklich gut, und eben auch so gewollt - wenn folgende 3 Ideen gelten:

...ein Problem für Frauen zu der Zeit ist in dem Zusammenhang der Begriff der Freiheit, denn so lang der Mann über die Frau herrscht, kann die Frau nicht wirklich "frei" sein - damals war das Patriachat ja noch sehr vorherrschend. Er schließt "sie" also für seine Theorien zu einem moralisch guten Handeln zumindest als "Akteur" aus, und spricht dem Mann zu, dass es in seiner Verantwortung liegt. Er soll die Frau dazu bringen, sie also dahin gehend manipulieren, dass sie moralisch "gut" handeln will - denn sie macht ja laut Kant eh nur, was sie will, und trifft ihre Entscheidungen aus dem Bauch raus, ohne, über ihr Handeln nachzudenken. Wenn das heutzutage jemand so sagen würde, würde er mit Sicherheit einen nicht sonderlich kleinen Shitstorm herauf beschwören. Außerdem ist Manipulation - aus meiner Sicht - kein moralisch gutes Handeln.

Ob das nur dem damaligen Zeitgeist entspringt, zu der Zeit als das Patriarchat noch in Hochform war, oder nicht - mit diesem Ansatz hab ich (wahrscheinlich für unsere Zeit jetzt nicht verwunderlich) schon Probleme. Für mich sind alle Menschen gleich - (sagen wir mal so: definitiv von den Rechten her, und auch den Pflichten, vor allem von der Pflicht, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen) - ganz egal welches Geschlecht, egal welcher Herkunft und egal welcher geschlechtlichen Gesinnung sie sind. Dennoch finde ich die Theorien Kant's allgemein interessant, und auch wenn er wohl hauptsächlich die männlichen Geschöpfe im Kopf hat in seinem Denken, werde ich mich da bei meinem Betrachtungen nicht beschränken. Es ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass unsere Gesellschaft aus dem Patriarchat entstanden ist, und sich einfach weiterentwickelt hat. Das ist zum Beispiel eines dieser Dinge, die ich nun einfach der Zeit damals zuschreibe. Heute hätte Kant vielleicht anders dazu gestanden, wer weiß das schon?

Interessant ist auch, dass Kant wohl Zeit seines Lebens ein Single war. Er war wohl mal verliebt, aber zu einer Heirat ist es nie gekommen. Für Freunde hatte er allerdings "ganz tolle" Ratschläge (die vielleicht einen Hinweis darauf geben, warum er Single blieb....) - vielleicht spiegelt sich hier auch ein wenig seine eigene Vergangenheit in Armut wieder:

..."Gegenüber seinen Freunden erteilte er desöfteren den Rat, sie möchten bei der Wahl ihrer zukünftigen Gattinnen ja lieber vernünftigen Gründen als einer leidenschaftlichen Neigung folgen. Er war der Meinung, bei dieser Wahl sollte man darauf achten, dass sie Hausfrau und Mutter sein sollte.
Als sinnliches Motiv läßt er nur eines gelten: Geld, und nicht die Schönheit; Geld halte länger vor als alle Schönheit und Reize und trage zum Lebensglück sehr viel bei. Außerdem knüpfe Geld das Band der Ehe viel fester, weil der Wohlstand den Mann wenigstens mit liebenswürdiger Dankbarkeit gegenüber seiner Gattin erfülle, meint Kant." - Quelle: "Kant für Anfänger - Der kategorische Imperativ", eine Lese-Einführung von Ralf Ludwig, Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1995 - Seite 22


Genauso wie mich sein seltsam erscheindendes Frauenbild zögern ließ, ob ich mich überhaupt weiterhin mit Kant auseinandersetzen mag, entsetzt es mich zu lesen, wie Kant über andere Kulturen schrieb, insbesondere über Juden, die er "Vampyre der Gesellschaft" nannte. Was nicht verschwiegen werden darf, ist, dass Kant von Rassismus durchtränkt war. Er glaubte an eine Hierarchie der Menschen, und eine Überlegenheit der weißen Rasse.
Wie allerdings am Anfang erwähnt, kann kein Mensch seinen eigenen Hintergrund ausblenden und ignorieren, und die damalige Gesellschaft darf auch bei der Interpretation der Schriften Kants nicht vergessen werden. Antisemitismus war im 18. Jahrhundert weit verbreitet, und Kant ist nicht viel gereist. Seine eigenen Erfahrungen mit anderen Kulturen sind wenn überhaupt minimal. Er bezieht sein Wissen über andere Kulturen hauptsächlich aus Reiseberichten. Als großer Denker hätte er vielleicht schon dahintersteigen können, dass das haaresträubend ist, was er da erzählt - ich hätte das von einem so hoch-gelobten Menschen wie Kant schon erwartet (übrigens auch von einem so hoch-gelobten Menschen wie Luther) - Vermutlich haben weder Kant noch Luther wirklich gut darüber nachgedacht, was sie so zu Themen sagten, die jetzt nicht ihr Spezialgebiet waren. Verehrt werden beide ja wegen anderer Äußerungen. Trotzdem darf das nicht vernachlässigt werden. Es wäre ungut zu sagen, dass alles was Kant von sich gegeben hat, gut war. Er war auch einfach ein Mensch, der sich die Frage nach einem moralisch guten Handeln gestellt hat. Daraus zu schließen, dass all seine Worte moralisch gut wären, funktioniert nicht, da moralisch "gut" ja im Auge des Betrachters liegt, und immer vor dem Hintergrund der Gesellschaft interpretiert werden muß, in der jemand lebt. Wenn Kant sagt "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen", dann bedeutet das auch, dass man auch über die Dinge, die er so gesagt hat, durchaus selber nachdenken muß und seine eigenen Schlüsse ziehen muß. Das Frauenbild und den Antisemitismus im 18. Jahrhundert mache ich mir hier nicht weiter zum Thema. Problematische Frauenbilder und Antisemitismus in der heutigen Zeit können dahingegen durchaus den Weg auf meine Seite finden.

Quellen:

Kant's Hauptwerke


Eine vollständige Liste von Kant's Werken wäre wirklich riesig. Bekannt sind laut Ralf Ludwig (Kant für Anfänger - Der Kategorische Imperativ, S. 24) 69 Veröffentlichungen. Einen guten Überblick kann man sich auf Wikipedia verschaffen, hier werden 71 unterschiedliche Werke aufgeführt (ja, ich hab gezählt...). Hier sollen jedoch lediglich die Hauptwerke aufgezeigt werden, meine Quellen hierfür sind das oben bereits erwähnte Buch von Ralf Ludwig, und die Hauptwerke-Liste von Immanuel-kant.net.

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